Thema Künstlersozialkasse

Die Künstler­sozial­kasse – Ihre Absicherung als Künstler, Autor, Journalist und Medien­schaffender

 

„Mir passiert schon nichts ...“ denken alle. Doch oft geht es schneller als man denkt. Vor einigen Jahren gab es in Deutschland einen recht bekannten Zauberkünstler. Er war erfolgreich, hatte eigene Fernsehshows und einen gut gefüllten Terminkalender mit einem eigenen Solo-Programm.
Alles lief perfekt, bis eines Tages ein Schlaganfall das Leben von einem Augenblick zum anderen veränderte. Plötzlich hieß es: keine Auftritte mehr, keine Fernsehshows, keine Solo-Programme und dadurch verursacht nur noch ein sehr geringes Einkommen.

Mit anderen Worten: der Zauberkünstler war von einem Tag zum anderen nahezu arbeitslos und die Prognose für die Zukunft war verheerend. Überdies waren die eigenen Rücklagen nach kurzer Zeit vollständig aufgebraucht.


Doch zum Glück war dieser Künstler Profi genug, um regelmäßig in die Künstlersozialkasse, kurz KSK, einzuzahlen. Nur dadurch blieb ihm ein Leben auf der Straße erspart, denn durch die Künstlersozialkasse bekam er am Ende eine Altersrente und konnte so seinen Lebensabend in Würde erleben.

Dieses Beispiel zeigt, dass es immer eine gute Idee ist, sich persönlich und finanziell abzusichern. Wie im einleitenden Beispiel gezeigt, ist die Künstlersozialkasse eine gute Einrichtung, um nicht nur Künstler, sondern auch Autoren, Journalisten oder Medienschaffende für den Fall der Fälle abzusichern. 

Soziale Absicherung durch die KSK

Das Künstlersozialversicherungsgesetz (kurz KSVG) wurde geschaffen, um selbstständigen Künstlern, Autoren, Journalisten oder Medienschaffenden einen gewissen Schutz in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zukommen zu lassen. Hierbei folgt die Künstlersozialkasse dem gleichen Prinzip, wie der Absicherung eines herkömmlichen Arbeitnehmers. Dieser zahlt monatlich die Hälfte der jeweils fälligen Versicherungsbeiträge als prozentualen Anteil auf seinen Lohn in die Kassen des jeweiligen Trägers ein. Bei der KSK ist das ähnlich. Hier zahlt der Künstler seinen Anteil selbst ein, der Rest wird über die Künstlersozialversicherung finanziert. Die Mittel hierzu kommen zum einen aus dem Zuschusstopf des Bundes und zum anderen durch eine Abgabe der Unternehmen, die in die KSK einzahlen.

Künstlersozialkasse

Die Künstlersozialkasse (KSK) hat zwei Aufgaben im Fokus

1. Zuerst stellt die KSK fest, ob und wer zum versicherungspflichtigen Personenkreis zählt. Werden die Voraussetzungen, die gesetzlich geregelt sind, erfüllt, dann erlässt die Künstlersozialkasse einen entsprechenden Bescheid über Beginn, Umfang und ggf. auch Ablauf/Ende der Versicherungspflicht.

2. Danach werden die jeweils fälligen Beitragsanteile der Versicherten eingezogen. Diese entsprechen dem Arbeitnehmeranteil eines Angestellten mit einem Jahresgehalt, welches dem Jahreseinkommen des Künstlers entspricht.

 

Die Künstlersozialkasse legt den entsprechenden Arbeitgeberanteil bei und führt alles zusammen über die Krankenkasse des Versicherten an die entsprechenden Sozialversicherungsträger.

Der Arbeitgeberanteil der KSK wird aus der Künstlersozialabgabe sowie einem Bundeszuschuss finanziert.

Allerdings ist dabei wichtig und auf jeden Fall zu beachten, dass die Sozialkasse für Künstler nicht zuständig für die Leistungsdurchführung der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung ist. Vielmehr obliegt ihr die Meldung der versicherten Künstler, Autoren, Publizisten oder Medienschaffenden bei den jeweiligen Kranken- und Pflegekassen (z.B. der Allgemeinen Ortskrankenkasse, den Ersatzkassen oder den Betriebs- und Innungskrankenkassen). Außerdem werden die versicherten Personen auch bei der allgemeinen Rentenversicherung gemeldet, und die entsprechenden Beiträge werden entsprechend weitergeleitet.

Das bedeutet letztlich, dass die Leistungen aus dem jeweiligen Versicherungsverhältnis, wie Rente, Kranken- oder Pflegegeld etc., ausschließlich durch die Träger der Rentenversicherung und durch die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen erbracht werden. Somit sind auch Anträge, zum Beispiel auf Altersrente oder für Reha-Maßnahmen, direkt an die allgemeine Rentenversicherung zu richten. 

Hier werden dann die klärenden Fragen zu den Voraussetzungen und zur Abrechnung von Renten, zu eventuell bereits vorhandenen Rentenansprüchen, zu Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit etc. gestellt oder abgestimmt. Mehr Informationen bzgl. der allgemeinen Rentenversicherung und deren Leistungen gibt es in lokalen Auskunftszentren oder Beratungsstellen. 

Bei Fragen zur Krankenversicherung, wie zum Beispiel dem Leistungsumfang, der Beitragssätze, Mutterschutzleistungen usw., sind die selbst gewählten gesetzlichen Krankenversicherungen der richtige Ansprechpartner. Außerdem hilft Ihnen auch der Verein Freie Wildbahn e.V. bei einzelnen Fragen.

Was ist zu beachten?

Für Künstler, Autoren, Journalisten oder Medienschaffende sieht das Gesetz auch vor, dass diese sich von der Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungspflicht über die Künstlersozialkasse (KSK) befreien können. Diese Befreiung ist unter Umständen interessant für Berufsanfänger oder für Höherverdienende.

KünstlersozialkasseZuerst rechnen, dann entscheiden

Doch hierbei sollte man mit sehr spitzem Bleistift nachrechnen, und sich ausgiebig mit den Unterschieden zwischen einer privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung im Detail vertraut zu machen. Die Unterschiede sind teilweise groß und gerade mit steigendem Alter überwiegen die Nachteile einer privaten Absicherung, denn die Beiträge steigen hier mit zunehmendem Alter erheblich, und Leistungen werden gestrichen. 

Ein wichtiger und grundsätzlicher Unterschied hierbei ist, dass sich die Beiträge an die Künstlersozialkasse prozentual am jeweiligen Einkommen bemessen.

Somit passen sich diese automatisch an die aktuelle Einkommenssituation an. Bei einer privaten Absicherung sind die Beiträge fest, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. 

Auch im Hinblick auf Familienmitglieder gibt es Unterschiede. So ist zum Beispiel bei einer privaten Krankenversicherung für einzelne Familienmitglieder jeweils eine zusätzliche Prämie fällig. Bei einer gesetzlichen Krankenversicherung sind alle Familienangehörigen im jeweiligen Tarif mit enthalten — wenn sie nicht selbst unter die Versicherungspflicht fallen. Und wenn im Alter die selbstständige Tätigkeit aufgegeben wird, dann entfällt der Beitragsanteil der Sozialkasse für Künstler zur privat abgeschlossenen Krankenversicherung. Das ist wichtig, denn in diesem Fall gewährt der Rentenversicherungsträger im Falle der Rentengewährung noch einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung, doch dieser orientiert sich in jedem Fall am Zahlbetrag der Rente. Das bedeutet, dass der Zuschuss bei einer geringen Rente auch im gleichen Maße geringer ausfällt.

In jedem Fall gilt es genau zu überlegen, für welchen Weg man sich entscheidet. Gerne helfen wir Ihnen als Freie Wildbahn e.V. bei der Entscheidungsfindung mit weiteren Informationen und Ratschlägen.

Länger krank ... und dann?

Ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit hat ein selbstständiger Künstler, Autor, Journalist oder Medienschaffender, der durch das KSVG (siehe oben) in der Künstlersozialkasse pflichtversichert ist, einen Anspruch auf Krankengeldzahlung. Doch in manchen Fällen ist der Zahlungsausfall in den ersten 6 Wochen für Selbstständige kaum zu kompensieren. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, um bei einer akuten Arbeitsunfähigkeit einen früheren Beginn der Zahlung des Krankengeldes zu veranlassen. 

Gerne geben Krankenkassen hierzu Auskunft, da die Auszahlung des Krankengeldes nicht über die Künstlersozialkasse erfolgt. Aber auch hier gibt es Preisunterschiede von einigen Hundert Euro pro Jahr, vor allem für das vorgezogene Krankentagegeld ab dem 15. Tag speziell für Versicherte der Künstlersozialkasse. Freie Wildbahn e.V. berät Sie gerne!

Einfach bei der KSK anmelden — so geht es

Sofern die Künstlersozialkasse noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist, können Sie sich auch selbst direkt über die Website www.kuenstlersozialkasse.de anmelden. Jedoch passiert es nicht selten, dass versehentlich unrichtig gemachte Angaben im Antrag oder unwissentlich nachteilig gewählte Formulierungen in den Rechnungen des Künstlers zu Problemen führen und mit einer Ablehnung durch die KSK enden. Lassen Sie sich deshalb gerne durch uns helfen, Fehler bei der Antragstellung zur Aufnahme in die Künstlersozialkasse zu vermeiden.


 

Künstlersozialkasse

Wer ist beitragspflichtig?

Bleibt zum Schluss noch zu klären, wer konkret bei der Künstlersozialkasse beitrags- bzw. abgabepflichtig ist. Zum einen sind es die auftraggebenden Unternehmen, die künstlerische Leistungen verwerten oder künstlerische Dienstleistungen einkaufen.

Das sind konkret: Unternehmen deren Unternehmenszweck sich an der Organisation oder den Vertrieb / Absatz künstlerischer oder publizistischer Leistungen ausrichtet.

 

Zur Orientierung folgt hier eine Aufzählung von entsprechenden Unternehmen, auch wenn diese gegebenenfalls nur teilweise in den Branchen tätig sind:

  • Verlage (z.B. Buch- und Presseverlage)
  • PR-Agenturen
  • Bilderdienste
  • Theater, Orchester, Chöre
  • Gastspieldirektionen für Theater und Konzerte
  • Veranstalter von Tourneen
  • Künstleragenturen und –manager
  • Fernsehsender und TV-Produktionsgesellschaften
  • Rundfunk
  • Hersteller von Bild- und Tonträgern (z.B. Hörbücher etc.)
  • ausführende Werbeagenturen bzw. Öffentlichkeitsarbeit für Kundenprojekte
  • Museen, Ausstellungen, Galerien etc.
  • Varietés und Zirkusunternehmen
  • Einrichtungen für die künstlerische Aus- und Fortbildung

Diese Aufzählung ist nur eine Übersicht, denn es sind zum Beispiel auch Unternehmen von der Abgabepflicht betroffen, die regelmäßig für publizistische od. künstlerische Leistungen bezahlen. Eine Abgabepflicht besteht auch für Unternehmen, die regelmäßig Leistungen von freischaffenden Künstlern oder Publizisten mit dem Zweck nutzen, um über diese Nutzung Einnahmen zu erzielen.

Im Zweifelsfall sollten sich Personen, Unternehmen, Vereinigungen, Vereine, die sich in der Aufzählung wiederfinden, entweder ganz oder teilweise, zur Klärung direkt an die Künstlersozialkasse wenden. Gerne ist man dort bereit, für Sie Klarheit zu schaffen.

KSK Fazit

Wir kennen alle das Bild des verarmten Künstlers, der gerade im Alter von der Hand in den Mund leben muss. Doch das muss so nicht sein, denn durch die hier vorgestellte Form der Absicherung hat der Gesetzgeber eine sinnvolle, wichtige und richtige Lösung geschaffen, um dieser Gruppe von Selbstständigen eine Absicherung im Krankheitsfall und im Alter zu geben.



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