Recht

Grundrente für Künstler – Welche Probleme gibt es dabei?

Detlef Husemann • 1. Juli 2020
Eine Person arbeitet an einem Schreibtisch mit Laptop, Unterlagen, Kamera und Pflanzen in einem hellen Heimbüro.

KSK für Berufsanfänger: Eine Aufnahme kann auch möglich sein, wenn anfangs noch andere Einkünfte überwiegen.

Die Grundrente soll Menschen unterstützen, die über viele Jahre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt, dabei aber nur unterdurchschnittlich verdient haben.



Für selbstständige Künstlerinnen, Künstler und Publizierende klingt das zunächst besonders relevant. Gerade niedrige und stark schwankende Einkommen können jedoch dazu führen, dass einzelne Versicherungszeiten bei der Berechnung des Grundrentenzuschlags nicht berücksichtigt werden.


Das betrifft auch Menschen, die über die Künstlersozialversicherung Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen.

Fazit: KSK-Versicherungszeiten können zu den Grundrentenzeiten gehören. Für die Berechnung des Grundrentenzuschlags werden aber grundsätzlich nur Zeiten berücksichtigt, in denen mindestens 30 % des Durchschnittsverdienstes versichert wurden. 2026 entspricht das rund 1.298,60 Euro monatlich.

Warum kann die Grundrente für Künstler problematisch sein?

Viele selbstständige Künstlerinnen, Künstler und Publizierende arbeiten über lange Zeiträume, erzielen aber nicht in jedem Jahr ein gleichmäßiges Einkommen.

Projektpausen, schwankende Auftragslagen oder wirtschaftlich schwierige Jahre können dazu führen, dass das versicherte Arbeitseinkommen zeitweise sehr niedrig ausfällt.

Genau hier liegt eine Besonderheit des Grundrentenzuschlags:

Nicht jede Grundrentenzeit wird automatisch auch für die Berechnung des Zuschlags berücksichtigt.

Damit ein Monat als sogenannte Grundrentenbewertungszeit berücksichtigt werden kann, muss die Beitragsleistung mindestens 30 % des jeweiligen Durchschnittsverdienstes entsprechen.

Grundrentenzeiten sind nicht dasselbe wie Grundrentenbewertungszeiten

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig.

Für einen möglichen Grundrentenzuschlag brauchst Du zunächst mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten. Zwischen 33 und 35 Jahren wird der mögliche Zuschlag gestaffelt. Ab 35 Jahren gelten die vollständigen Berechnungsgrenzen.


Zu den Grundrentenzeiten können unter anderem gehören:

Pflichtbeitragszeiten aus Beschäftigung,


  • Pflichtbeitragszeiten aus versicherungspflichtiger Selbstständigkeit,
  • Kindererziehungszeiten,
  • bestimmte Pflegezeiten,
  • bestimmte Zeiten mit Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation.


Für die Berechnung der Höhe des Zuschlags werden daraus jedoch nur die Monate berücksichtigt, in denen mindestens 30 % des Durchschnittsverdienstes versichert wurden.

Diese Monate werden als Grundrentenbewertungszeiten bezeichnet.

Wie hoch ist die 30-Prozent-Grenze 2026?

Der vorläufige Durchschnittsverdienst in der gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 2026 51.944 Euro jährlich beziehungsweise rund 4.328,67 Euro monatlich.


30 % davon entsprechen rund:



1.298,60 Euro monatlich.


Liegt das für die Rentenversicherung relevante Einkommen in einem Monat unter dieser Schwelle, kann dieser Monat zwar unter Umständen zu den Grundrentenzeiten gehören, für die Berechnung des Grundrentenzuschlags bleibt er jedoch unberücksichtigt.


Genau das kann für Künstlerinnen und Künstler mit dauerhaft niedrigen oder stark schwankenden Einkommen relevant werden.

Wichtig:



  1. mindestens 33 Jahre lang
  2. mindestens 30 % des deutschen Durchschnittseinkommens verdient hat und
  3. entsprechende Rentenversicherungsbeiträge eingezahlt hat.


Im Jahr 2019 betrug das durchschnittliche Monatseinkommen in Deutschland ca. 3.100 Euro.

Gibt es auch eine Obergrenze?

Ja.


Der Grundrentenzuschlag richtet sich an Versicherte mit langjährig unterdurchschnittlichen Einkommen.


Bei mindestens 35 Jahren Grundrentenzeiten liegt der maßgebliche Höchstwert grundsätzlich bei 80 % des Durchschnittsverdienstes. Zwischen 33 und 35 Jahren steigt dieser Begrenzungswert schrittweise an.


Die Berechnung erfolgt individuell anhand der im Rentenkonto gespeicherten Entgeltpunkte.

Wird später auch anderes Einkommen berücksichtigt?

Ja.


Selbst wenn aufgrund der Versicherungsbiografie grundsätzlich ein Grundrentenzuschlag berechnet wird, kann Einkommen im Rentenbezug auf den Zuschlag angerechnet werden.


Für 2026 gelten folgende Freibeträge:


  • Alleinstehende: bis 1.492 Euro monatlich keine Einkommensanrechnung
  • Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften: bis 2.327 Euro monatlich keine Einkommensanrechnung
  • Über diesen Freibeträgen werden zunächst 60 % des darüberliegenden Einkommens angerechnet.


Ab einem monatlichen Einkommen von:


  • 1.909 Euro bei Alleinstehenden
  • 2.744 Euro bei Paaren


wird der darüberliegende Betrag zusätzlich vollständig angerechnet.

Die Freibeträge werden regelmäßig angepasst.

Muss ich den Grundrentenzuschlag beantragen?

Nein.


Die Deutsche Rentenversicherung prüft automatisch, ob die Voraussetzungen für einen Grundrentenzuschlag erfüllt sind.


Auch die Einkommensprüfung erfolgt weitgehend automatisiert über Daten der Finanzverwaltung.

Was solltest Du als KSK-Versicherter beachten?

Wenn Du über die Künstlersozialversicherung rentenversichert bist, werden auf Grundlage Deines gemeldeten Arbeitseinkommens Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt.


Für Deine spätere Rente und einen möglichen Grundrentenzuschlag zählt deshalb, welche Versicherungszeiten und Entgeltpunkte sich daraus tatsächlich ergeben.


Sinnvoll ist insbesondere, Deinen Versicherungsverlauf bei der Deutschen Rentenversicherung im Blick zu behalten und fehlende oder fehlerhafte Zeiten gegebenenfalls klären zu lassen.



Die KSK entscheidet dagegen nicht darüber, ob Du später einen Grundrentenzuschlag bekommst. Diese Prüfung erfolgt durch die Deutsche Rentenversicherung.

Das eigentliche Problem der Grundrente für Künstler

Der Grundrentenzuschlag kann auch für Künstlerinnen, Künstler und Publizierende eine zusätzliche Absicherung im Alter darstellen.


Gerade Menschen mit besonders niedrigen Einkommen können jedoch vor einem strukturellen Problem stehen: Liegt ihre Beitragsleistung in bestimmten Monaten unter 30 % des Durchschnittsverdienstes, werden diese Monate bei der Berechnung des Zuschlags nicht berücksichtigt.


Damit kann ausgerechnet ein Teil der Erwerbsbiografie mit besonders niedrigem Einkommen für die Berechnung des Grundrentenzuschlags herausfallen.


Das bedeutet nicht, dass KSK-Versicherte grundsätzlich keinen Anspruch haben. Es zeigt aber, warum Versicherungsdauer, versichertes Einkommen und die individuelle Erwerbsbiografie gemeinsam betrachtet werden müssen.


Mehr zu Voraussetzungen, Berechnung und den aktuellen Werten findest Du in unserem ausführlichen Artikel: Grundrente für Künstler: Was KSK-Versicherte 2026 wissen sollten

Du hast Fragen zu Deiner KSK-Situation?

Wenn Du klären möchtest, wie Deine selbstständige künstlerische oder publizistische Tätigkeit gegenüber der KSK einzuordnen ist, unterstützen wir Dich bei der strukturierten Einordnung Deiner Situation.

Häufige Fragen zur Grundrente für Künstler

  • Warum kann die Grundrente für Künstler problematisch sein?

    Bei Künstlerinnen und Künstlern können Einkommen stark schwanken oder über längere Phasen niedrig sein. Für die Berechnung des Grundrentenzuschlags werden grundsätzlich nur Grundrentenzeiten berücksichtigt, in denen mindestens 30 % des jeweiligen Durchschnittsverdienstes versichert wurden.

  • Wie hoch ist diese Grenze 2026?

    2026 beträgt das vorläufige Durchschnittsentgelt 51.944 Euro jährlich. 30 % davon entsprechen rund 1.298,60 Euro monatlich.

  • Verliere ich Monate unterhalb dieser Grenze vollständig?

    Nicht zwingend. Sie können unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin zu den Grundrentenzeiten gehören. Für die Berechnung des Grundrentenzuschlags werden Zeiten unterhalb der 30-Prozent-Grenze jedoch nicht als Grundrentenbewertungszeiten berücksichtigt.

  • Zählen KSK-Versicherungszeiten grundsätzlich für die Grundrente?

    Pflichtbeitragszeiten aus versicherungspflichtiger selbstständiger Tätigkeit können zu den Grundrentenzeiten gehören. Ob daraus tatsächlich ein Grundrentenzuschlag entsteht, hängt von der gesamten Versicherungsbiografie und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.

    jedoch zusätzlich von der Dauer der Grundrentenzeiten und den jeweiligen Entgeltpunkten ab.

  • Muss ich den Grundrentenzuschlag beantragen?

    Nein. Die Deutsche Rentenversicherung prüft einen möglichen Anspruch automatisch.

Quellen




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